17.07.2012

Der Klügere gibt nach...

so die Aussage meines Professors beim Anblick des neuesten Röntgenbildes letzten Freitag.
In diesem Falle meinte er das Implantat in meinem Oberschenkel, genauer gesagt eine der Sperrschrauben, die den Marknagel an seiner Position halten.
Die unterste Sperrschraube ist, wie im neuen Röntgenbild zu sehen ist, gebrochen. hier habe ich leider nur ein CT-Bild von vor 4 Wochen.
Der Bruch der Schraube erklärt nun einerseits die vor 2 Wochen plötzlich aufgetretenen Schmerzen in Knienähe, bedeutet andererseits aber auch, dass sich noch was tut.
Durch die Dynamik und Eigenbewegung des Knochens und des Implantats ist es zu der - vom Professor nicht ungewollten - Zusammenstauchung gekommen; die Knochenstücke sind mehr zusammengerückt worden; teilweise stehen sie endlich Stoss auf Stoss.

Nun kann ich mir überlegen, ob ich in 5 Wochen die zweite Sperrschraube entfernen lassen will, um diesen Stauchungseffekt noch zu verstärken und das endlich einsetzende Knochenwachstum zu forcieren oder abzuwarten, ob nicht auch hier die Zeit für mich arbeitet und ich die zweite Schraube auch so durchkriege.

Ansonsten heisst es mal wieder: OP im ...Klinikum; aber nur eine Übernachtung zur Sicherheit.

25.06.2012

Hurra, es ist ein Femur geworden!

Gestern ist der Unfall 9 Monate her; doch ein Grund zu Feiern, oder?
Wenn man sich vorstellt, dass in dieser Zeit ein neues Leben entsteht und ich immer noch an der Produktion bzw. Reparatur eines einzelnen Femur knabbere.....

Könnte mir ja jetzt langsam Gedanken über einen Namen machen; ist ein linker Femur eigentlich eher männlich oder weiblich?
Tröstlich ist wengstens die Prognose, dass ich in 1 bis 2 Jahren wieder ganz normal Laufen können soll; ein Baby fängt auch so mit 1 Jahr an, seine ersten Schritte zu machen, oder?;-)

Jaja, ich weiß, Geduld, Geduld, Geduld. Aber so manches Mal fällt es mir einfach schwer, immer nur zuzuschauen und nicht beim Sport mitmachen zu können. Oder mal eben schnell wohin zu laufen. Eben geht ja noch, aber schnell... Ooohh, manchmal hab ich doch ganz schönen Frust; auf mich, auf mein Bein; eigentlich sollte ich auf den Verursacher wütend sein, aber irgendwie kommen mir solche Gedanken nie; suche die "Schuld" immer irgendwie bei mir. Dass es nicht so vorwärts geht, wie es sollte ist ja auch nicht dessen Schuld. Und der Unfall ist für mich ja nicht als reales Ereignis verankert; also auch nicht real. Oder so. Ach irgendwie verquast und vermurkst.
Naja, wenigstens ist mir mein Humor nicht abhanden gekommen... Auch wenn er mnachmal rabenschwarz daher kommt. Aber wir Krüppel dürfen das; sagte mir unlängst ein rollstuhlfahrender Bekannter.

Also, hiermit gebe ich freudig die Nichtankunft eines intakten linken Femur bekannt:
Grösse: 48 cm
Gewicht (mit Metall) : 2400 gr

Der kleine Ottokar erfreut sich mittelprächtiger Gesundheit und wächst hoffentlich fleissig weiter.





Gedankensammlung - Was noch zu schreiben wäre

 
  • Auftrieb Nudel oder Brett - praktische Physik im Therapiebecken
  • Ich google meinen Arzt - eine kleine Einführung
  • Wer bezahlt was - Krankenkasse, Berufsgenossenschaft oder wer?
  • Ärztliche Zweitmeinung - und Konsequenzen
  • gemeinnütziges Verhalten danach - dem zweiten Leben einen neuen Sinn geben
  • Verschlüsselungs- und Kodierungsexkurs - alles DRG oder was?
  • Arztsprache und Patientenverständnis - Kommunikation ist alles
  • Die Akte des Unfalls
  • Risikofaktor Frau - sind Frauen etwa zu kritisch?

13.06.2012

Unfallfolge oder einfach nur Befindlichkeiten?

Ich bin im Grunde meines Herzens ein Optimist; ein unverbesserlicher Optimist, wie man mir einmal sagte.

Doch manchmal verlässt mich meine Zuversicht auf ein baldiges schmerzfreies Dasein. Nun ist Zeit relativ und in den Augen meines Unfallchirurgen und Orthopäden ist ein Jahr für die damals davongetragenen Verletzungen gar nicht, aber dafür bin ich ja auch Patient:-) Ich vertraue meinem Arzt und der Klinik, was bisher gemacht wurde hat mir nicht nur das Leben erhalten, sondern mich auch wieder zu einem fast normalen Leben zurück geführt und was er mir vorhergesagt hat, traf alles ein bisher; aber wie es so ist: das geht für den Laien nicht immer schnell genug und vor allem es ist längst nicht mehr so schmerzfrei wie damals die 6 Wochen in der Unfallstation. Man war das ein gutes Zeug:-), ich war die ersten Wochen nach der Intensivstation mehr oder weniger dauerhigh, aber auch als die schweren Sachen dann so später abgesetzt wurden; ich hatte weniger Schmerzen als jetzt an manchen Tagen. Aber ich nehme es sportlich; jetzt endlich zahlt sich meine Erfahrung von den wöchentlichen 20 km Touren beim IVV und den 10 Jahren Basketballspielen aus. Schmerz kann beherrscht werden, man muss ihn annehmen und akzeptieren und sportlich nehmen. Aber manchmal kotzt es mich einfach an, wenn ich bei jedem Aufstehen erstmal vor Schmerzen einknicke und innehalten muss, bis es wieder geht; es nervt, wenn ich von der Mensa vor Schmerzen kaum mehr ins Erdgeschoss runterkomme und ich nach jedem Schritt mich zur nächsten Stufe zwingen muss, will ich nicht den Rest des Tages auf der Treppe verbringen. Wenn man so in der Zeitung liest, dass Sportler nach ein paar Wochen wieder fit sind und wieder Topleistungen bringen und ich humple wie Quasimodo über den Campus.... So geduldig ich seit dem Unfall mit meinen Mitmenschen bin, so ungeduldig bin ich mit meinem Körper; ungerecht ihm gegenüber wahrscheinlich, denn wenn ich mir mal die ganzen Knochenbrüche ins Gedächnis rufe, dann hat er ja schon viel geschafft. Also Geduld Geduld Geduld.

09.06.2012

Wenn die Kommunikation nicht stimmt

zwischen Arzt und Patient, dann ist das nicht sehr erfreulich; das steht ausser Frage.Aber auch die Kommunikation zwischen Angehörigen und Klinikpersonal ist ein immens wichtiger Faktor. Und nebenbei gesagt, die Kommunikation zwischen Kliniken und Ärzten beziehungsweise zwischen Kliniken selbst ist auch nicht immer optimal.

Kommunikation zwischen Arzt und Patient
Doch zuerst zu Punkt eins; wenn der Arzt sich auf seine Fachsprache zurückzieht; zwar alles erklärt und die Diagnose ausführlich bespricht und auch die anstehende Therapie und der Patient trotzdem - aus welchen Gründen auch immer - nicht vollkommen im Bilde ist, was er denn nun eigentlich hat und wie es zu behandeln ist; nun dann geht der Patient mit einem Gefühl des Nichtverstanden-Seins nach Hause; ist vielleicht sogar enttäuscht, hält den Arzt im schlimmsten Fall sogar für abgehoben und arrogant; und die Chance auf eine gute Therapiemitarbeit schwindet.





Was könnten die Gründe für eine suboptimale Kommunikation sein?
  • Der Arzt erklärt zwar alles, aber nicht in der Sprache des Patienten, sondern in der ihm geläufigeren Fachsprache. Nicht jeder weiss sofort, was mit ..... ...... oder ........ gemeint ist."Der alte Arzt spricht Latein, der junge Englisch und der gute Arzt die Sprache seines Patienten" sagte Ursula Lehr einmal und trifft damit den Nagel auf den Kopf.
    Natürlich ist es einfacher, Sachverhalte in der einem am geläufigsten Sprache darzustellen; und unter Gleichgesinnten ist das auch sicher die Beste und effizienteste Art sich zu verständigen; aber der Patient ist nun mal in den meisten Fällen nicht ein Fachkollege. Ihm muss man die Sachverhalte in der ihm am geläufigsten Sprache darlegen. Und auch da gibt es durchaus Unterschiede. Denn auch der Patient kommt mit einem ihm geläufigen Fachsprachenschatz zum Arzt; sei es des Berufes wegen oder aus dem familiären Umfeld. So bedeutet eine Störung, ein Mangel oder ähnliches für einen Techniker unter Umständen etwas anderes als für eine Juristen oder Lehrer.
    Für den Arzt bedeutet dies, er muss sich ein Bild seines Patienten machen; welchen Backround hat er, welches Bildungsniveau in etwa und daran dann seine Sprache und Kommunikation anpassen. Hat er einen Patienten vor sich, der von der Situation an sich - ich spreche mit einem mir intellektuell überlegenen Arzt - schon total eingeschüchtert ist, dann sollte nicht nur der Transfer der Informationen im Vordergrund stehen, sondern zuerst einmal die Beziehungsebene zwischen Arzt und Patient auf eine annähernde Stufe gebracht werden. Vertrauensbildende maßnahme nennt man so etwas im Fachjargon. Der Arzt baut eine Verbindung außerhalb des medizinischen Umfelds auf, ein kleiner Smalltalk über das letzte Fußballspiel des hießigen Vereins etc. oder ähnliches. Einfach etwas, was dem Patienten das Gefühl gibt, dass der Arzt ihm gegenüber ein Mensch wie er ist; der in der Lage ist, mit ihm auf seiner Ebene zu kommunizieren.
    Natürlich ein Kraftakt, wenn man bedenkt, wieviele Patienten an einem Tag so in die Sprechstunde kommen!
    Gelingt dem Arzt aber dieses Herstellen einer persönlichen Verbindung - und die muss ja auch nur für den Moment gelten; keiner kann verlangen, dass der Arzt sämtliche Daten seiner Patienten im Kopf hat und nach Wochen noch weiß, worüber er - auserhalb des medizinischen - mit dem Patient geredet hat, dann steigen die Chancen auf eine gute Kommunikation und erfolgreiche Zusammenarbeit.
  • Auch der Patient muss etwas zu einer gelungenen Kommunikation beitragen! Wenn ich nicht nachfrage, wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann kann ich als Patient später nicht sagen, dass der Arzt seinen Job nicht gut gemacht hätte. Irgendwie muss ich dem Arzt ein Signal geben, dass er gerade an mir vorbei redet oder unverständlich für mich ist. "Wer nicht fragt bleibt dumm!" Gerade beim Arztgespräch trifft dieser Ausspruch auf die Situation des Patienten zu. Gebe ich dem Arzt durch Nicken oder zustimmendes Schweigen das Gefühl, dass ich seine Ausführungen verstehe, dann wird er diese auch nicht weiter erklären oder in anderen Worten ausformulieren. Er verlässt sich auf das "Empfänger-Signal", das ich aussende. Habe ich Rückfragen, weil mir Zusammenhänge nicht klar sind die dem Arzt geläufig, ja selbstverständlich sind, dann uss ich als Patient den Arzt eben unterbrechen in seiner Ausführung; Fragen stellen, um Erklärung bitten etc.
    Ich kann nicht erwarten, dass der Arzt in mich hereinschauen kann und bemerkt, dass ich gerade nur Bahnhof verstanden habe.
  • Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!"


30.05.2012

Rendevouz mit Giovanni Battista Monteggia?

In Realität wohl kaum, lebte dieser doch Ende 18. Anfang 19. Jahrhundert! Aber als Fraktur kann man ihm noch heute begegnen, einer meiner vielen Frakturen ist die sog. Monteggia-Fraktur des Ellenbogens.
Jaja, ich weiss, das ist jetzt nicht der Oberschenkel, aber wer hat gesagt, dass ich hier nur über eine Extremität schreiben würde;-))
Erstaunlicherweise hat Monteggia diese Fraktur das erste Mal schon 1813 beschrieben; als es noch keine Autos und dementsprechend auch noch keine Autounfälle gegeben hat.
Was ist eine Monteggia-Fraktur? Ein Kombinationsbruch von proximaler Elle mit Luxation des Radiusköpchens. Ensteht meist durch Unfall oder Sturz auf den gebeugten Ellenbogen.
Bei mir war es dann wohl die Krafteinwirkung des Lenkrades auf den Arm, denn ich sass ja hinter dem Steuer, als der Frontaleinschlag kam.
Was nicht nur die Monteggia-Fraktur zur Folge hatte, sondern zusätzlich noch eine supradiakondyläre Humerusfraktur, also eine Fraktur des Oberarms über beide Kondylen am Ellenbogen.
Man hätte sozusagen das komplette Ellenbogengelenk herausnehmen können.

Da die operative Versorgung dieser Verletzung in Bauchlage erfolgt, konnte ich mich in den ersten vier Wochen meines Klinikaufenthaltes eines externen Fixateurs erfreuen, und ich meine das ernst, das Ding war richtig praktisch. Viel leichter als ein Gips und wenn ich den linken Arm anders lagern wollte, konnte ich den Fixateur quasi als Griff benutzen.
Außerdem stehe ich ja auf Technik und mechanisches Spielzeug und so war das für mich längst nicht so gruselig anzusehen wie für manch einen meiner Besucher.
Nachdem meine Ärzte dann der Meinung waren, dass ich soweit wieder hergestellt sei, dass ich diese OP in Bauchlage überstehen würde, wurde sie durchgeführt. Der Gips, den ich dann eine Woche am Arm hatte, war dermassen schwer, dass ich den Arm kaum heben konnte. Aber das war so gewollt, man wollte, dass ich den Arm in absoluter Ruhelage lasse.
Danach bekam ich eine schicke Plasitk-Schale und mein Physiotherapeut hatte ein neues Gelenk zum Bearbeiten.
Inzwischen komme ich doch schon wieder an meine Nase und kann ein Glas zum Mund führen.
Wenn jetzt dann noch die Rotation des Unterarms nach eienr weiteren OP wiederhergestellt werden kann...... Aber das dauert noch ein Weilchen, bis das in Angriff genommen wird.

16.05.2012

Was macht Aristoteles in der Wanne des Patienten?

Wenn man es geschichtlich betrachtet eigentlich nichts, ausser er räkelt sich als Mosaik am Boden der Wanne und zeigt das humanistische Faible des Wannenbesitzers.

Wenn diese Frage (dem Sinne nach) aber ein Unfallchirurg den Studenten in der Vorlesung stellt, dann lautet die Antwort im besten Falle: Er bringt die Wanne zum Überlaufen;-)

Langsam füllt sich der Hörsaal
Einige Zeit, nachdem ich aus der Intensivstation heraus gekommen war und mich auf der Unfallstation schon richtig "heimisch" fühlte, sprach mich mein behandelnder Arzt an und fragte mich, ob ich bei einer seiner Vorlesungen sozusagen als lebendes Objekt fungieren wollte. Er hätte am nächsten Morgen eine Vorlesung zum Thema "Polytrauma" und ich sei ja nun ein  Paradebeispiel dafür.
Hurra, endlich etwas anderes als Physiotherapie, Bettenwechsel, Röntgen, OP's, Verbandswechsel und was einem sonst so als "bettlägrigen" Patienten so im Laufe eines Tages wiederfährt - oder auch nicht.
Endlich einmal raus aus dem Zimmer und nicht immer nur den gleichen Blick aus dem Fenster!
Ausserdem bin ich ja von Berufs wegen den Umgang mit Studenten gewohnt, wenn auch nicht in dieser Rolle. Also war ich natürlich mit Begeisterung dabei und ließ mich am nächsten Morgen hübsch angerichtet in meinen hydraulischen Superbettchen in den Hörsall fahren.
Der füllte sich dann auch bis auf den letzten Platz und nachdem ich dann noch ein Mikrofon in die Hand - äh auf den Bauch - gelegt bekommen hatte, konnte es losgehen.
Die Fragen der Studenten konnte ich einfach beantworten, wie es zu den Verletzungen gekommen sei, ob ich mich erinnern könnte, ob ich Schmerzen hätte und so weiter und so weiter.
Die Frage, warum nicht alle Verletzungen gleich versorgt worden waren, sondern erst nach und nach, gab ich dann an meinen Arzt weiter und der erklärte dann das Behandlungsverfahren bei einem Polytrauma.
Und da eben kam Aristoteles ins Spiel!
Der tat wohl den Ausspruch "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" Bei der Behandlung eines Polytraumas gilt umgekehrt der Ausspruch "Die Summe der Teile ist größer als das Ganze", was wohl so zu interpretieren ist, dass die Behandlung der einzelnen Verletzungen auf einmal die Summe dessen, was der Körper verarbeiten kann, übersteigt.
Denn jede Operation zur Behandlung einer Verletzung bedeutet ein weiteres Trauma für den Körper.

Bildlich gesprochen: Der Arzt hat eine Badewanne mit einem bestimmten Fassungsvermögen vor sich. In der Wanne befindet sich eine bestimte Menge an Flüssigkeit. In diese Wanne legt er nun den Patienten mit Polytrauma hinein. Der Flüssigkeitsspiegel steigt. Im Idealfall nicht über den Wannenrand. Der Patient überlebt. Was aber ist, wenn in der Wanne schon Aristoteles liegt? Also unsichtbar sich in der Flüssigkeit eine Vorerkrankung, eine weitere Verletzung etc. liegt? Kommt dann der Patient in die Wanne, dann läuft sie über.
Oder so ähnlich.:-)
Auf jeden Fall eine sehr spannende Vorlesung! Meine erste Medizinvorlesung überhaupt und ich muss sagen; bei so einem Lehrer hätte mir mein Studium manches Mal mehr Spaß gemacht.