Wenn diese Frage (dem Sinne nach) aber ein Unfallchirurg den Studenten in der Vorlesung stellt, dann lautet die Antwort im besten Falle: Er bringt die Wanne zum Überlaufen;-)
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| Langsam füllt sich der Hörsaal |
Hurra, endlich etwas anderes als Physiotherapie, Bettenwechsel, Röntgen, OP's, Verbandswechsel und was einem sonst so als "bettlägrigen" Patienten so im Laufe eines Tages wiederfährt - oder auch nicht.
Endlich einmal raus aus dem Zimmer und nicht immer nur den gleichen Blick aus dem Fenster!
Ausserdem bin ich ja von Berufs wegen den Umgang mit Studenten gewohnt, wenn auch nicht in dieser Rolle. Also war ich natürlich mit Begeisterung dabei und ließ mich am nächsten Morgen hübsch angerichtet in meinen hydraulischen Superbettchen in den Hörsall fahren.
Der füllte sich dann auch bis auf den letzten Platz und nachdem ich dann noch ein Mikrofon in die Hand - äh auf den Bauch - gelegt bekommen hatte, konnte es losgehen.
Die Fragen der Studenten konnte ich einfach beantworten, wie es zu den Verletzungen gekommen sei, ob ich mich erinnern könnte, ob ich Schmerzen hätte und so weiter und so weiter.
Die Frage, warum nicht alle Verletzungen gleich versorgt worden waren, sondern erst nach und nach, gab ich dann an meinen Arzt weiter und der erklärte dann das Behandlungsverfahren bei einem Polytrauma.
Und da eben kam Aristoteles ins Spiel!
Der tat wohl den Ausspruch "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" Bei der Behandlung eines Polytraumas gilt umgekehrt der Ausspruch "Die Summe der Teile ist größer als das Ganze", was wohl so zu interpretieren ist, dass die Behandlung der einzelnen Verletzungen auf einmal die Summe dessen, was der Körper verarbeiten kann, übersteigt.
Denn jede Operation zur Behandlung einer Verletzung bedeutet ein weiteres Trauma für den Körper.
Bildlich gesprochen: Der Arzt hat eine Badewanne mit einem bestimmten Fassungsvermögen vor sich. In der Wanne befindet sich eine bestimte Menge an Flüssigkeit. In diese Wanne legt er nun den Patienten mit Polytrauma hinein. Der Flüssigkeitsspiegel steigt. Im Idealfall nicht über den Wannenrand. Der Patient überlebt. Was aber ist, wenn in der Wanne schon Aristoteles liegt? Also unsichtbar sich in der Flüssigkeit eine Vorerkrankung, eine weitere Verletzung etc. liegt? Kommt dann der Patient in die Wanne, dann läuft sie über.
Oder so ähnlich.:-)
Auf jeden Fall eine sehr spannende Vorlesung! Meine erste Medizinvorlesung überhaupt und ich muss sagen; bei so einem Lehrer hätte mir mein Studium manches Mal mehr Spaß gemacht.

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