Kommunikation zwischen Arzt und Patient
Doch zuerst zu Punkt eins; wenn der Arzt sich auf seine Fachsprache zurückzieht; zwar alles erklärt und die Diagnose ausführlich bespricht und auch die anstehende Therapie und der Patient trotzdem - aus welchen Gründen auch immer - nicht vollkommen im Bilde ist, was er denn nun eigentlich hat und wie es zu behandeln ist; nun dann geht der Patient mit einem Gefühl des Nichtverstanden-Seins nach Hause; ist vielleicht sogar enttäuscht, hält den Arzt im schlimmsten Fall sogar für abgehoben und arrogant; und die Chance auf eine gute Therapiemitarbeit schwindet.
Was könnten die Gründe für eine suboptimale Kommunikation sein?
- Der Arzt erklärt zwar alles, aber nicht in der Sprache des Patienten, sondern in der ihm geläufigeren Fachsprache. Nicht jeder weiss sofort, was mit ..... ...... oder ........ gemeint ist."Der alte Arzt spricht Latein, der junge Englisch und der gute Arzt die Sprache seines Patienten" sagte Ursula Lehr einmal und trifft damit den Nagel auf den Kopf.
Natürlich ist es einfacher, Sachverhalte in der einem am geläufigsten Sprache darzustellen; und unter Gleichgesinnten ist das auch sicher die Beste und effizienteste Art sich zu verständigen; aber der Patient ist nun mal in den meisten Fällen nicht ein Fachkollege. Ihm muss man die Sachverhalte in der ihm am geläufigsten Sprache darlegen. Und auch da gibt es durchaus Unterschiede. Denn auch der Patient kommt mit einem ihm geläufigen Fachsprachenschatz zum Arzt; sei es des Berufes wegen oder aus dem familiären Umfeld. So bedeutet eine Störung, ein Mangel oder ähnliches für einen Techniker unter Umständen etwas anderes als für eine Juristen oder Lehrer.
Für den Arzt bedeutet dies, er muss sich ein Bild seines Patienten machen; welchen Backround hat er, welches Bildungsniveau in etwa und daran dann seine Sprache und Kommunikation anpassen. Hat er einen Patienten vor sich, der von der Situation an sich - ich spreche mit einem mir intellektuell überlegenen Arzt - schon total eingeschüchtert ist, dann sollte nicht nur der Transfer der Informationen im Vordergrund stehen, sondern zuerst einmal die Beziehungsebene zwischen Arzt und Patient auf eine annähernde Stufe gebracht werden. Vertrauensbildende maßnahme nennt man so etwas im Fachjargon. Der Arzt baut eine Verbindung außerhalb des medizinischen Umfelds auf, ein kleiner Smalltalk über das letzte Fußballspiel des hießigen Vereins etc. oder ähnliches. Einfach etwas, was dem Patienten das Gefühl gibt, dass der Arzt ihm gegenüber ein Mensch wie er ist; der in der Lage ist, mit ihm auf seiner Ebene zu kommunizieren.
Natürlich ein Kraftakt, wenn man bedenkt, wieviele Patienten an einem Tag so in die Sprechstunde kommen!
Gelingt dem Arzt aber dieses Herstellen einer persönlichen Verbindung - und die muss ja auch nur für den Moment gelten; keiner kann verlangen, dass der Arzt sämtliche Daten seiner Patienten im Kopf hat und nach Wochen noch weiß, worüber er - auserhalb des medizinischen - mit dem Patient geredet hat, dann steigen die Chancen auf eine gute Kommunikation und erfolgreiche Zusammenarbeit.
- Auch der Patient muss etwas zu einer gelungenen Kommunikation beitragen! Wenn ich nicht nachfrage, wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann kann ich als Patient später nicht sagen, dass der Arzt seinen Job nicht gut gemacht hätte. Irgendwie muss ich dem Arzt ein Signal geben, dass er gerade an mir vorbei redet oder unverständlich für mich ist. "Wer nicht fragt bleibt dumm!" Gerade beim Arztgespräch trifft dieser Ausspruch auf die Situation des Patienten zu. Gebe ich dem Arzt durch Nicken oder zustimmendes Schweigen das Gefühl, dass ich seine Ausführungen verstehe, dann wird er diese auch nicht weiter erklären oder in anderen Worten ausformulieren. Er verlässt sich auf das "Empfänger-Signal", das ich aussende. Habe ich Rückfragen, weil mir Zusammenhänge nicht klar sind die dem Arzt geläufig, ja selbstverständlich sind, dann uss ich als Patient den Arzt eben unterbrechen in seiner Ausführung; Fragen stellen, um Erklärung bitten etc.
Ich kann nicht erwarten, dass der Arzt in mich hereinschauen kann und bemerkt, dass ich gerade nur Bahnhof verstanden habe.
- Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!"
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