20.04.2012

Der Verlust der Privatsphäre

in einem Krankenhaus war ganz schön heftig. Und wird es auch immer bleiben.

Auch wenn man das Glück hat, nur hin und wieder einen Bettnachbarn zu bekommen (in den sechs Wochen habe ich fünf Patienten "verschlissen"), ist es doch eine gewaltige Umstellung gewesen. Allein das Gefühl, wegen jeder Kleinigkeit jemanden rufen zu müssen, morgens gewaschen werden zu müssen, weil man sich weder adäquat bewegen kann noch die Kraft dazu hat. Aber für mich das Schlimmste war das auf dieToilette zu gehen. Da liegt man auf diesem Topf und nebenan liegt ein völlig Fremder und bekommt das alles mit. Keine Möglichkeit auch für den Bettnachbarn, das nicht hautnah miterleben zu müssen.
Als Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet. Bei Besuchen bekommt man zwangsläufig die Familieninterna mit, bei der Arztvisite erfährt man die Diagnosen des Nachbarn, die sonst eigentlich nur den Angehörigen noch mitgeteilt werden.
Und wenn es mal was zu diskutieren gibt, was normalerweise innerhalb der eigenen vier Wände bleibt oder bleiben soll, dann muss man eben in dieser Hinsicht Abstriche machen.
Aber ob man will oder nicht, man wird in das Leben eines Fremden mit hineingezogen und gibt gleichzeitig auch einen gehörigen Teil seines Privatlebens auf.

Dabei würde manchmal ein Vorhang zwischen den Betten, den man nach Bedarf vorziehen kann, einige peinliche und als unangenehm empfundene Momente verhindern.

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